Dabei gab es bereits vor dem Iran-Krieg Entwicklungen, die auf Unterstützung für die Aluminiumpreise schließen ließen: China nähert sich seiner Kapazitätsgrenze, die allgemeinen Handelsverwerfungen nehmen zu (wir alle wissen, wem wir das ebenfalls zu verdanken haben) und die bevorstehende Stilllegung der Mozal-Schmelze von South32 hat das Angebot zusätzlich verknappt.
Golf-Region unter Druck: Was die aktuellen Produktionskürzungen bedeuten
Doch die Lage hat sich inzwischen deutlich weiter verschärft. Aluminium Bahrain (Alba) hat begonnen, die Produktionslinien 1 bis 3 schrittweise herunterzufahren – das entspricht rund 19 % der jährlichen Kapazität von 1,6 Millionen Tonnen. Gleichzeitig läuft Qatalum derzeit nur noch mit etwa 60 % Auslastung. Insgesamt sind damit rund 560.000 Tonnen jährliche Aluminiumkapazität im Golf betroffen. Bei einer regionalen Gesamtproduktion von etwa 6 bis 6,5 Millionen Tonnen entspricht das bereits 8 bis 9 % des Angebots.
Nur drei Wochen Puffer: Verzögerungen im Seetransport haben massive Auswirkungen
Ein zentrales Risiko ergibt sich vor allem aus den begrenzten Rohstoffvorräten. Aluminiumschmelzen im Golf sind auf kontinuierliche Importe von Vorprodukten wie Aluminiumoxid angewiesen und verfügen typischerweise nur über Lagerbestände für drei bis vier Wochen. Dieser geringe Puffer macht die Produktion extrem anfällig für Störungen im Seetransport – zumal Aluminiumoxid nur begrenzt lagerfähig ist. Die Region selbst produziert lediglich rund 3 % des weltweiten Aluminiumoxids und etwa 1 % des Bauxits, wodurch eine starke Abhängigkeit von Importen besteht.
Da der Konflikt inzwischen in die dritte Woche geht, dürfte ein erheblicher Teil dieser Vorräte bereits aufgebraucht sein. Sollten die Transportprobleme durch die Straße von Hormus anhalten, könnten bereits in den kommenden ein bis zwei Wochen weitere Produktionskürzungen notwendig werden.
Langanhaltende Stillstände: Warum jeder Produktionsstopp monatelange Folgen hat
Besonders kritisch und das sollte man hier dringend im Hinterkopf behalten (auch im Hinblick auf kommende Inflationsdaten): Werden sogenannte Schmelzlinien einmal stillgelegt, dauert ein Wiederanfahren oft sechs bis zwölf Monate. Angebotsausfälle dürften also selbst dann fortbestehen, wenn sich die geopolitische Lage wieder entspannt.
Was das für Preise und Inflation bedeutet – und wie lange der Schock dauern kann
Wann es zu einer solchen Entspannung kommt, steht ja weiterhin in den Sternen, während Trump sich schon wieder Kuba zuwendet. Ich schätze, dass die Lage im Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus im März weiterhin gravierend ist, evtl. zeigen sich erste Zeichen der Entspannung im zweiten Quartal – man wird sehen. Halten die Transportprobleme aber tatsächlich weiter bis in den April an, könnten die Aluminiumoxidvorräte in der Region kritisch werden und weitere Produktionsausfälle nach sich ziehen. Ein wirklich schweres Störungsszenario würde wahrscheinlich voraussetzen, dass die Einschränkungen bis in den Mai hinein andauern – mit der Folge zusätzlicher Stilllegungen und einer spürbaren Verknappung des gesamten globalen Aluminiumangebots. Schade, dass Trump sich dessen wohl auch nicht bewusst sein dürfte...