Schwamm drüber. Ich freue mich ja schon, dass ihn irgendjemand noch rechtzeitig davon abhalten konnte, den gesamten Nahen Osten in die Steinzeit zurückzubeordern. Aber halt, es ist ja noch nicht aller Tage Abend. Denn während der Donald über die Stimmen in seinem Kopf nachdenkt, hat er irgendwie vergessen, Kumpel Bibi und den Iranern Bescheid zu geben, die sich munter weiter bekriegen, als gäbe es kein Morgen mehr.
Öl unter Beschuss – und die Welt gleich mit
Dabei dürfte ihm auch nicht aufgefallen sein, dass die Welt bereits mit Angriffen auf eine LNG-Anlage in Katar, die Gasinfrastruktur in Abu Dhabi, zwei Ölraffinerien in Kuwait sowie eine saudische Raffinerie in Yanbu am Roten Meer klarkommen muss. Neben der Blockade der Straße von Hormus natürlich. Apropos Yanbu übrigens: Saudi-Arabien leitet sein Öl über eine große Pipeline zum westlichen Hafen von Yanbu um, seit Hormus dicht ist. Bis zum 17. März sind die saudischen Rohölexporte über Yanbu von etwa 1 Mio. Barrel pro Tag vor dem Krieg auf etwas über 4 Mio. Barrel pro Tag gestiegen. Das zeigt, dass bereits erhebliche Umlenkungen der Lieferströme stattfinden. Dennoch erhöhen die jüngsten Angriffe das Risiko, dass die Produktionsausfälle noch stärker ausfallen werden als bisher angenommen und den Angebotsschock am Ölmarkt weiter verschärfen.
Die Zeichen der Backwardation: Was der Markt wirklich sagt
Die ausgeprägte Backwardation mit der wir es aktuell am Ölmarkt zu tun haben signalisiert im Übrigen, dass der Konflikt in den kommenden zwei bis drei Monaten anhalten dürfte. In den vergangenen zehn Tagen ist die Brent-Terminkurve aufgrund der Eskalation des Krieges mit dem Iran deutlich nach oben verschoben worden. Die Backwardation hat sich für Kontrakte mittlerweile bis ins kommende Jahr weiter verstärkt. Das deutet darauf hin, dass Händler kurzfristig keine schnelle Lösung erwarten.
Wichtig zu wissen ist: Selbst wenn heute ein Waffenstillstand verkündet würde, würde es je nach Schadensausmaß mindestens acht Wochen dauern, bis zumindest ein Teil der Infrastruktur und die Handelsrouten wieder funktionieren.
Der Freigabeplan der International Energy Agency (IEA) impliziert daher eine Mindestdauer des Konflikts von etwa 60 Tagen. Etwa eine Woche nach Kriegsbeginn am 28. Februar wurden die Produktionsausfälle im Nahen Osten auf rund 6,7 Mio. Barrel pro Tag geschätzt. Die Ausfälle entfallen auf etwa 2,5 Mio. Barrel pro Tag in Saudi-Arabien und 2,9 Mio. Barrel pro Tag im Irak, während die Vereinigte Arabische Emirate und Kuwait ihre Produktion um rund 800.000 bzw. 500.000 Barrel pro Tag reduziert haben. Zwar wird die Unterbrechung des Ölhandels insgesamt auf enorme 20–21 Mio. Barrel pro Tag geschätzt, doch dürfte der tatsächliche Produktionsrückgang geringer ausfallen, da auch alternative Routen genutzt werden und Öllager aufgebaut. Doch das Risiko noch größerer Ausfälle bleibt hoch.
Die IEA rechnet mit einem längeren Konflikt
Nochmals zur IEA: Am 11. März kündigte man die Freigabe von 400 Millionen Barrel aus strategischen Reserven an. Diese Menge wirkt keineswegs zufällig gewählt. Zum einen entspricht sie etwas mehr als einem Fünftel der gesamten Reserven, was Raum für weitere Freigaben lässt – ein Hinweis auf die Erwartung eines längeren Konflikts. Zum anderen entspricht diese Menge bei einem Ausfall von 6,7 Mio. Barrel pro Tag einer theoretischen Versorgung von etwa 60 Tagen. Realistisch dürfte die tägliche Freigabe bei etwa 2,5 bis 3,0 Mio. Barrel liegen, was weniger als die Hälfte der aktuellen Ausfälle kompensieren kann. Die Strategie der IEA ist somit klar darauf ausgelegt, die Volatilität am Ölmarkt zu dämpfen – gleichzeitig deutet sie auf einen längeren Konflikt hin.
Der Risikoaufschlag im Ölpreis lässt sich im Wesentlichen in einen geopolitischen und einen kriegsbedingten Anteil unterteilen. Vor Beginn des aktuellen Konflikts bewegte sich der Brent-Preis meist im Bereich von 60 bis 65 US$. Im Juni 2025 stieg er im Zuge eines kleineren Konflikts mit dem Iran kurzfristig auf etwa 80 US$, fiel aber wieder zurück, als sich der Markt stärker auf Überangebot und schwaches Nachfragewachstum konzentrierte. Auch diesmal stieg der Preis zunächst auf etwa 80 US$, in der Annahme eines kurzen Konflikts. Inzwischen ist er jedoch weiter gestiegen und zeigt hohe Volatilität.
In diesem Kontext kann ein Preisbereich von 65 bis 80 US$ als geopolitischer Risikoaufschlag interpretiert werden, während Preise oberhalb von 80 US$ einen klaren „Kriegsaufschlag“ darstellen. Im aktuellen Best-Case, als unter der Annahme, dass die Produktionsausfälle begrenzt bleiben und der Krieg innerhalb von zwei bis drei Monaten endet, dürfte sich der Ölpreis im Bereich von 90 bis 110 US$ einpendeln.
Wir im Rohstoff Anleger Club nutzen Rücksetzer, um Positionen aufzubauen, solange kein glaubwürdiger Waffenstillstand erreicht ist. In diesem Zusammenhang behalte ich anstelle von Trumps sinnlosen Tweets lieber die Entsendung Tausender Marines bzw. weiterer Truppen (je nach Quelle) in die Region im Hinterkopf. Klar, keine klassischen Invasionstruppen, aber die Struktur (Marines plus Träger plus Logistik) ist typisch für eine potenzielle Eskalation, wenn nötig. Man wird sehen...
Vom Krisenöl zum Krisengas – eine tickende Zeitbombe
Auch der globale LNG-Markt dürfte übrigens auf absehbare Zeit deutlich angespannter sein als bislang erwartet. Auslöser sind die Angriffe auf Ras Laffan in Katar. Laut QatarEnergy wurden etwa 17 % der LNG-Exportkapazität des Standorts beeinträchtigt – das entspricht etwas mehr als 17 Milliarden Kubikmetern bzw. rund 3 % des weltweiten LNG-Handels. Es könnte drei bis fünf Jahre dauern, bis diese Kapazitäten vollständig wiederhergestellt sind.
Unter Berücksichtigung dieser Angebotsausfälle sowie zusätzlicher Verzögerungen beim Hochfahren neuer Exportkapazitäten in Katar überrascht es nicht, dass sich die Terminkurve für europäische Erdgaspreise bis 2027 deutlich nach oben verschoben hat. Der Markt beginnt zunehmend, eine länger anhaltende Angebotsstörung einzupreisen. Gleichzeitig erscheint der zuvor erwartete – und schon da nicht mehr ganz glaubhafte , angesichts steigender Nachfrage – globale LNG-Überschuss bis 2027 nun deutlich unwahrscheinlicher.
Tja ja, wenn über der Welt Donald Trump am seidenen Faden schwebt, muss man eben mit allem rechnen. War ja abzusehen, dass er früher oder später die Inflation noch hochkriegt. Aber keine Sorge, mit der Fed unter Kontrolle und einem besorgniserregenden Arbeitsmarkt mache ich mir gar keine Sorgen um mein Gold – ganz im Gegenteil. Aber dazu ein anderen Mal mehr....oder direkt im Rohstoff Anleger Club 😉